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13. Oktober 2026

500 GLP X-PAR 12Z hinter aufklappenden Videoflächen

Wie Auratecture bei Reggae Land jedem Act zu einer Lichtshow verhalf – selbst in praller Sonne

500 GLP X-PAR 12Z auf einer einzigen Bühne – mit dieser Zahl beantwortete das Designstudio Auratecture die Frage, die jedes Festival beschäftigt: Wie bekommt ein Act bei Tageslicht eine Lichtshow? Bei Reggae Land im Milton Keynes National Bowl nordwestlich von London „versteckten“ sich die Scheinwerfer hinter Videoflächen, die an den Ecken aufklappten und sie freilegten. So hatte an zwei ausverkauften Tagen mit insgesamt 100.000 Tickets jeder Act auf der Hauptbühne seine eigene Lichtshow, auch bei vollem Tageslicht. „Strahlend blauer Himmel, brütende Hitze – und trotzdem hatten wir eine Lichtshow“, sagt Nick Jevons, Lichtdesigner und Mitgründer von Auratecture.

Auratecture ist das Licht- und Produktionsdesignstudio von Ross Chapple und Nick Jevons. Es hat sich auf stilistisch markante, designorientierte Bühnenkonzepte für Konzerte, Tourneen und Live-Events spezialisiert und geht das Lichtdesign aus architektonischer Perspektive an: Form, Gestalt und Narrativ bilden das Rückgrat jeder Arbeit.

Jevons ist seit mehr als drei Jahrzehnten als Lichtdesigner tätig. Er begann als Tour-LD, bevor er sich auf Festival- und Corporate-Design verlegte. Chapple lernte das Handwerk in Jevons’ eigener Produktionsfirma und gestaltete anschließend acht Jahre lang die Shows von Eric Prydz. Seit einigen Jahren arbeiten die beiden bei Auratecture wieder zusammen.

Die Veranstalter von Reggae Land kamen mit einem klaren Auftrag. Nach sechs bis acht Jahren hatte sich das Festival auf einem bestimmten Niveau eingependelt, und 2026 sollte einen echten Schritt nach vorn markieren. Jevons und Chapple reagierten darauf mit rund 80 Prozent mehr Videofläche und der doppelten Zahl an Scheinwerfern.

Jevons selbst kannte das Festival vorher nicht: „Dabei ist es inzwischen das größte Reggae-Festival der Welt. Wir hatten zwei Tage, beide ausverkauft. Die Veranstalter wollten, dass wir das Ganze auf ein neues Level heben, und genau das haben wir getan.“

Video, das Schicht für Schicht aufklappt

Auratecture schlug keine Bühne vor, auf der Technik steht, sondern ein einziges, in sich geschlossenes Objekt.

„Wir wollten etwas Großes, Mutiges, das wirklich heraussticht“, erklärt Jevons. „Schon bevor es eingeschaltet ist, soll man davorstehen und denken: ‚Wow, sieht das gut aus. Ich kann es kaum erwarten, das im Dunkeln zu sehen!‘ Die Idee war, dass sich das Video von den Bühnenseiten her ‚abschält‘ und riesige Lichtflächen freilegt. Man trägt eine Schicht nach der anderen ab, und hinter jeder kommt etwas anderes zum Vorschein.“

Hinter diesen sich lösenden „Video-Schichten“ saßen die GLP X-PAR 12Z. Das IMAG lief nicht wie üblich über 16:9-Screens links und rechts der Bühne. Stattdessen spannte sich eine durchgehende Videofläche über die gesamte Breite, reichte von der Oberkante bis zum Bühnenboden, legte sich um die Bühne herum und setzte sich nach hinten fort. Wo das Video an den Ecken zurückwich, kamen dicht an dicht die Scheinwerfer zum Vorschein. Dasselbe Prinzip übertrug Auratecture auf die vier Delay-Türme im Bowl: Video, Scheinwerfer und PA-Hänge verschmolzen dort zu einer einzigen umhüllten Struktur.

Für Jevons ist genau das der Punkt, an dem man von Produktionsdesign sprechen kann: „Alle Elemente einer Produktion waren zu einem stimmigen, schönen Ganzen verbunden, fürs Auge wie fürs Ohr. Viel zu oft buhlen die Gewerke um Aufmerksamkeit. Hier war alles aus einem Guss.“

Eine Lichtshow bei wolkenlosem Himmel

Dass es 500 Scheinwerfer brauchte und nicht nur einen Bruchteil davon, liegt am Tageslicht. Bei einem Festival dieser Länge spielt nur der Headliner in völliger Dunkelheit. Der Act davor bekommt davon vielleicht noch zwanzig Minuten ab. Alle anderen stehen in der Sonne auf der Bühne.

„Die eigentliche Herausforderung lautet: Wie bekommt man auf einem Festival tagsüber eine Lichtshow hin? Die meisten Acts treten bei Tageslicht auf“, sagt Jevons. „Video ist so hell und kraftvoll, dass die Scheinwerfer direkt daneben genauso hell sein mussten, um mithalten zu können. Wir wollten eine dicht bestückte Fläche voller Scheinwerfer, und die musste auch am Tag wirken.“

Der Sommer 2026 stellte genau das auf die Probe: Während des gesamten Festivals zeigte sich keine einzige Wolke. Das Konzept ging trotzdem auf. „Jeder einzelne Act hatte tagsüber eine Lichtshow, weil wir sie so gebaut hatten, dass man sie sehen konnte“, so Jevons.

Die Scheinwerfer liefen durchgehend mit maximalem Zoom, über die gesamte Fläche zogen sich Farbverläufe. „Es ging nicht um die Beams, sondern um die Farben“, sagt Jevons. „Mit dem Haze verschmolzen sie zu einer einzigen Farbmasse, genau diese Sättigung wollten wir. Und es hat einfach funktioniert. Es war unglaublich hell.“

IP-Schutz, Mietpreis, Farbtreue

Zwei praktische Faktoren machten die Stückzahl überhaupt erst möglich. Der X-PAR 12Z ist IP-geschützt, und ohne diesen Schutz wäre das Design auf einer britischen Festivalwiese laut Jevons schlicht nicht umsetzbar gewesen. Zudem erlaubte der Mietpreis eine Skalierung, die mit einem teureren Scheinwerfer nicht drin gewesen wäre.

„Ohne IP-Schutz hätte es nicht funktioniert“, betont Jevons. „Und das Budget spielt immer eine große Rolle. Dass wir mit so riesigen Stückzahlen arbeiten konnten, lag am sehr guten Preis. Wir haben gefragt: Was kostet die Miete? Super, dann immer her damit.“

Zwei weitere GLP Scheinwerfer rundeten das Bild ab. Der impression X5 lieferte aus Trimmhöhen von 13 bis 14 Metern den Haupt-Wash auf der Bühne, mit genug Leistung, um sich gegen die Videowand im Hintergrund durchzusetzen. JDC Burst 1 säumten den gesamten Catwalk und dienten dort nicht nur als Strobes, sondern auch als Washlights. Tagsüber waren sie ins Publikum gekippt, ihre Plate-Effekte fügten sich ins Gesamtdesign ein. Nach Einbruch der Dunkelheit wurden sie zurück auf die Bühne gerichtet und leuchteten die Acts aus, wenn diese sich über den Steg ins Publikum bewegten.

Ebenso wichtig wie die Leistung war die Farbkonsistenz über alle drei Scheinwerfertypen hinweg. Jevons wusste, dass er sich darauf verlassen konnte: „Bei GLP hast du durchgehend dieselbe Farbtemperatur, dasselbe Rot, dasselbe Blau, dasselbe Grün.“

Das Festival, für das PRG das Equipment lieferte, lief nahezu störungsfrei. Von den 500 X-PAR 12Z mussten lediglich zwei ausgetauscht werden. Auch vor der Kamera überzeugten die Scheinwerfer: Im Lauf des Abends waren sie immer wieder im IMAG-Bild zu sehen, ohne jedes Flackern.

2027 ausverkauft ohne einen einzigen Headliner

Das kommerzielle Urteil ließ nicht lange auf sich warten. Die Veranstalter waren bei den Produktionskosten ein erhebliches Risiko eingegangen. Keine zwei Wochen nach Festivalende gaben sie 55.000 Early-Bird-Tickets für 2027 frei. Diese waren ausverkauft, bevor auch nur ein einziger Headliner feststand. Gleichzeitig meldeten sich Künstlermanagements, die Bilder in den sozialen Netzwerken gesehen hatten, und fragten an, ob ihre Acts 2027 wiederkommen dürfen.

Auratecture ist bereits erneut gebucht und soll im kommenden Jahr nicht nur die Hauptbühne, sondern das gesamte Festival gestalten.

Wie wandelbar das Konzept ist, zeigte das Studio bei Diaspora Calling! am selben Ort, mit Lauryn Hill und Erykah Badu im Line-up und Dave Chappelle als Moderator. Das Budget fiel anders aus, und das Design wurde entsprechend angepasst: Das Video auf den Delay-Türmen entfiel, die Hauptbühne blieb erhalten, die Seiten wurden geschlossen, und die Zahl der Scheinwerfer sank. Zudem sollte das zweite Festival als eigenständiges Event wahrgenommen werden und nicht als Wiederholung.

„Reggae Land war das Statement. Das war das Design, das wir liefern mussten“, sagt Jevons. „Diaspora hatte dieses Budget nicht, also haben wir uns nach der Decke gestreckt. Die Hauptbühne haben wir behalten, die Seiten aber geschlossen. Die waren das Markenzeichen von Reggae Land, und das wollten wir bei Diaspora nicht wiederholen. Wir wollten dem Festival einen eigenen, anderen Look geben, und das ist uns auch gelungen.“

Auch die Gast-LDs, die bei Reggae Land 2026 auf der Hauptbühne ihre Shows fuhren, sprachen vor allem über die Tageslichttauglichkeit. Endlich konnten sie schon vor Einbruch der Dunkelheit sehen, was sie da eigentlich taten.

Jevons’ Fazit fällt eindeutig aus: „Die heimlichen Stars waren die GLP X-PARs. Sie geraten leicht in Vergessenheit, weil sie statisch sind. Aber meine Güte, die hauen richtig rein.“

Kategorie
Konzert & Touring
Lichtdesign
Beteiligte Produkte
Bilder
500 GLP X-PAR 12Z hinter aufklappenden Videoflächen
Bilder: NJ Designs
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