20 GLP JDC2 IP mit Firmware 2.0 verwandeln sich auf Spiritbox-Tour in eine durchgehende Bildfläche
Lighting Designer PJ Carruth programmierte nahezu die gesamte timecodebasierte Show mit den integrierten DigiFX des JDC2 IP
Das neue Canvas Mapping machte dabei aus einer einzigen Reihe am Bühnenhintergrund eine durchgehende Bildfläche.
Bei Tourproduktionen kommen in der Regel unterschiedliche Scheinwerfertypen zum Einsatz, die jeweils bestimmte Aufgaben übernehmen. Bei der Spiritbox-Produktion, die 2026 durch Nordamerika tourte, war es nur einer: Lichtdesigner und Programmierer PJ Carruth setzte ausschließlich 20 GLP JDC2 IP ein und nutzte dabei die neue Firmware 2.0 – vermutlich erstmals überhaupt auf Tour.
Carruth lebt und arbeitet in Los Angeles und kam über die angewandte Physik zum Lichtdesign. Während seines Bachelorstudiums an der Brigham Young University war er zugleich als Lighting Supervisor für den Bereich Special Events der Universität tätig. Seither konzentriert sich seine Arbeit vor allem auf vorprogrammierte, timecodebasierte Shows.
„Ich werde typischerweise für Timecode-Produktionen engagiert, bei denen ein sehr hoher Grad an Synchronisierung gefragt ist“, sagt er. „Viele meiner Kunden schätzen meine technische Denkweise und meinen Hintergrund in angewandter Physik. Das macht mich gerade für ungewöhnliche Anwendungen zu einer guten Besetzung.“
Die Musik der kanadischen Metalcore-Band Spiritbox wechselt zwischen massiven Rhythmen und langen atmosphärischen Passagen – häufig innerhalb eines einzigen Songs. Das Licht sollte diese Struktur nicht nur begleiten, sondern sichtbar machen.
„Spiritbox möchte eine sehr stakkatoartige visuelle Umsetzung, deshalb lehnt sich meine Programmierung stark an die perkussiven Elemente der Songs an“, erklärt Carruth. „Entscheidend ist, dass das Licht jedem einzelnen Moment seine eigene Stimmung gibt – wie visuelle Untertitel, die sich durch das gesamte Set ziehen.“
Ein Scheinwerfertyp für die komplette Show
Das Touring-Paket bestand aus 20 GLP JDC2 IP, geliefert von Volt. Sämtliche Geräte standen in einer einzigen Reihe auf dem Bühnenboden im Upstage-Bereich.
„Wir wussten, dass wir für diese Tour ein echtes Schweizer Taschenmesser unter den Scheinwerfern brauchten“, sagt Carruth. „GLPs JDC-Familie gehört für mich seit jeher zu den technisch besten Strobes überhaupt – insbesondere, weil ihre Steuerungsmodi die Möglichkeiten des Programmierers nicht künstlich beschneiden. Uns war klar, dass wir nur einen einzigen Scheinwerfertyp mitnehmen würden. Also brauchten wir maximale Vielseitigkeit – und vielseitiger als der JDC2 IP geht es kaum. Über ein komplettes Set hinweg kann jeder Song völlig anders aussehen.“
Alles auf Timecode
„Der JDC2 ist ein reaktionsschneller und zuverlässiger Scheinwerfer, bei dem praktisch keine messbare Eingangslatenz auftritt. Damit eignet er sich ideal für rastergenaue Timecode-Programmierung“, sagt Carruth. „Mit meinem Hintergrund in digitaler Kommunikationstheorie bin ich außerdem der Meinung, dass LED-Scheinwerfer nicht zwangsläufig einen eigenen Shutter-Kanal benötigen. Ein großer Teil meiner Programmierung arbeitet beispielsweise mit Nyquist-Effekten statt synchronisierten Shutter-Looks sowie mit Zufallsgeneratoren statt zufälligen Shutter-Effekten. Deshalb beurteile ich einen Scheinwerfer sehr stark danach, wie er tatsächlich auf DMX-Signale reagiert.“
DigiFX erzeugten Content direkt im JDC2 IP
Der JDC2 IP kombiniert eine in zwölf Segmente unterteilte Beam-Zeile mit 84 leistungsstarken LEDs und einer aus 1.728 LEDs bestehenden Farbfläche mit individueller Pixelsteuerung. Über das mit dem JDC1 etablierte Hybrid-Strobe-Konzept hinaus lassen sich mit dem JDC2 IP dank GLPs DigiFX digitale Inhalte direkt im Gerät erzeugen und vom Lichtpult aus steuern. Die Echtzeit-Algorithmen laufen auf dem integrierten Dual-Core-Prozessor – ohne Medienserver im Signalweg. Zusätzlich kann der JDC2 IP NDI-Videostreams direkt auf seinen LED-Flächen wiedergeben.
„Wir lieben das DigiFX-System. Es ist wirklich beeindruckend, wie sich über das DMX-basierte Canvas Mapping ein durchgängiges Muster über sämtliche JDC2 hinweg erzeugen lässt“, sagt Carruth. „Ursprünglich habe ich das komplette Set ohne externes Video und ausschließlich mit DigiFX programmiert. Während der Proben kamen dann auf Wunsch unseres VJs einige NDI-Cues hinzu. Da MA3 das Tagging von Recipes sehr elegant löst, konnte ich sämtliche DigiFX-Programmierungen als Backup-Looks für einen möglichen Videoausfall behalten und sie mit einem einzigen Makro abrufen. Ein Ausfall des Medienserver hätte mir deshalb keine Sorgen bereitet.“
Firmware 2.0 verbindet 20 Geräte zu einer Bildfläche
Mit der Firmware 2.0 führte GLP einen Canvas-basierten Positionierungs-Workflow mit relativen, absoluten und segmentierten Modi ein. Die Scheinwerfer lassen sich damit innerhalb eines definierten Koordinatenraums anordnen, sodass Inhalte korrekt über eine gesamte Gerätegruppe verteilt werden, anstatt auf jedem Gerät identisch zu erscheinen. Aus 20 einzelnen Strobes in einer Reihe wird so eine durchgehende Bildfläche.
„Das Canvas Mapping war deutlich intuitiver, als ich erwartet hatte“, sagt Carruth. „Ich konnte sehr schnell DMX-Presets für die verschiedenen Canvas-Konfigurationen anlegen und diese anschließend entweder auf DigiFX oder auf den Videostream anwenden.“
NDI-Content mit nahezu null Latenz
Über seine beiden Gigabit-EtherCon-Ports kann der JDC2 IP bis zu vier externe NDI-Streams direkt empfangen – ohne separates Interface oder externe Videoverarbeitung.
„Die ursprüngliche Programmierung bestand ausschließlich aus DigiFX. Während der Proben zeigte uns unser VJ dann einige Looks, die wir anschließend in verschiedene Cues eingebaut haben“, sagt Carruth. „Die Latenz war praktisch null – so gering, dass die Videowände und der Projektor sichtbar hinter den JDC2 zurücklagen.“
Als besonderen Moment des Sets hebt Carruth ein gesprochenes Gedicht-Interlude hervor. Auf den JDC2 IP erschien dabei lesbarer Text als Teil der Gesamtkomposition.
„Während des Interludes zeigten IMAG, Projektor und JDC2 alle denselben Content. Gerade bei den Outdoor-Shows, bei denen Projektor und Screens durch das Umgebungslicht zusätzlich an Kontrast verloren, hat der Feed auf den JDC2 einen enormen Unterschied gemacht“, betont der Designer.
Die praktischen Anforderungen der Tour waren ebenso hoch wie die kreativen.
„Unsere Changeover- und Pultzeiten waren auf dieser Tour sehr kurz. Setup und Programmierung der Scheinwerfer waren jedoch so unkompliziert und effizient, dass wir nie unter Druck geraten sind, alles rechtzeitig zum Laufen zu bringen“, sagt Carruth abschließend. „Ich freue mich sehr darauf, diese Geräte künftig auch in weiteren Produktionen einzusetzen.“